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Börsch-Supan weiter: »Einen gewissen Zorn kann ich nicht unterdrücken. Wir haben in Berlin vier angesehene Museen, die für diesen Bildhauer zuständig sein müssten: die Nationalgalerie, die Berlinische Galerie, das Kolbe-Museum und die Stiftung Stadtmuseum. Alle vier kümmern sich nicht um Dunkel. Man vergleiche die Fürsorge, die Wieland Förster von seiner Heimatstadt Dresden erfährt. Aber: Det is Berlin. Nur da, wo es unbedingt sein muss, schaut die Stadt zurück, sonst taumelt sie unter dem Beifall der Medien zukunftsbesoffen kopfüber nach vorn. Umso wichtiger sind die privaten Widerstandsgruppen. Eine vom Marktgeschehen bestimmte Gesellschaft - das ist ja die unsere - beantwortet die Qualitätsfrage ganz einfach: gut ist das, was hoch gehandelt wird. Aber das Wort handeln hat zum Glück immer noch eine doppelte Bedeutung, und handeln, wie ich es verstehe, sollte immer an ein Sehen und Nachdenken gekoppelt sein.«

Minitoro de la Plate, 1973, Bronze, Neusilber 1999, Höhe: 24, 5 cm / Vogel, 1961, Bronze, Höhe: 35 cm

Das gilt insbesondere auch für den 100. Geburtstag Joachim Dunkels am 19. Juli 2025, der von der kulturellen Öffentlichkeit in Berlin nicht wahrgenommen wurde.

Die repräsentative Joachim-Dunkel-Ausstellung zum 100. Geburtstag findet statt im Süden Deutschlands statt, in der Galerie der Stadt Fellbach vom 25.9. bis 9.11.2025 auf zwei lichten Etagen.
Aus dem Pressetext zur Ausstellung: »In einer Zeit zunehmender Krisen gewinnt das Werk jener Künstler, die ihre Prägung im Zweiten Weltkrieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit erfahren haben, neue Aktualität. Zu ihnen zählt Joachim Dunkel als Angehöriger eines durch Kriegseinsatz und Gefangenschaft traumatisierten Jahrgangs. …. Die Entstehungszeit des Dunkel’schen Werkes deckt sich fast exakt mit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Holzschnitt zunächst an expressionistische Gestaltungsweisen anknüpfend, bleibt der Künstler über fünf Schaffensjahrzehnte dem Figurativen treu. Seiner Auffassung nach ist Figur aber mehr als Menschen-, Tier- oder Naturgestalt. Auf der Basis genauer Körperbeobachtung gelangt er zu Formulierungen, die Aufbruch in doppeltem Sinn transportieren: Aufbruch als Anfang eines Prozesses, der zu keinem definitiven Ende gelangt, und Aufbruch als Durchbrechen einer geschlossenen Oberfläche, das Abweisen alles Oberflächlichen. In reicher Nuancierung drängt das von innen Kommende vor, wobei die Hand des Künstlers gewissermaßen als Geburtshelfer assistiert. Hier gelten die Begriffe von ›Offenheit‹ und Freiheit der Darstellung, wie Dunkel sie versteht und konkretisiert, etwa in seinen weiblichen Figuren, den Pferden oder in den Kreuzigungsgruppen. Jeglicher Medien- und Modeströmung abhold, alles Unverbindlich-Gefällige verachtend, arbeitet er kontinuierlich in Respekt vor seinem Gegenstand. Dabei bewahrt er sich zeitlebens die Lust an der Suche, die Frische einer Idee von Skulptur und Zeichnung.
Biblische und antike Mythen, daraus vorwiegend existentielle Themen wie der Trojanische Krieg oder die Kreuzigung, fordern Dunkel immer wieder zu neuen, eigenständigen Interpretationen heraus. Seine lebensvollen Erfindungen von Mischwesen wie Minotaurus oder Kentaur treten geradezu leitmotivisch in Erscheinung.« Dr. Maria Dunkel

Apokalyptische Reiter, 1960, Bronze, 24 x 26 x 7.5 cm
Minotaurus sitzend auf der Krampe, 1960, Bronze, Variante: Neusilber, Höhe: 36 cm

 

Weiblicher Torso, 1955, Eisen, 17 × 23 cm, Kunstgießerei Lauchhammer / Große axial Sitzende auf angegossenem Thonet-Stuhl, 1982, Bronze, 130 × 80 × 100 cm

»Ich denke: sein Werk gibt Maßstäbe, die wir dringend benötigen, an die Hand, und es lehrt uns, Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen, in die wir verwickelt sind. Bei aller Vorsicht mit Superlativen glaube ich doch, mit guten Gründen behaupten zu können, dass Joachim Dunkel der beste West-Berliner Bildhauer seiner Generation war, seiner Generation, d.h. derjenigen, die durch das mit der Naziherrschaft verknüpfte Inferno der Kriegszeit im Innersten erschüttert worden ist und im Wortsinn todernst war. In dieser Einschätzung stehe ich nicht allein.« Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan

 

       

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