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Newsmail Juni/Juli 2021, Kunsthandel Dr. Wilfried Karger

30.06.2021

Dem Bildhauer Friedrich B. Henkel zum 85. Geburtstag

Im Juli hat der Bildhauer Friedrich B. Henkel Geburtstag, am 26., in diesem Jahr ist es sein 85. Das ist wohl ein Grund, einen Blick auf sein Leben und sein Werk zu werfen.
Geboren ist er am 26. Juli 1936 in Zeulenroda/Thüringen. Nach der Grundschule im Heimatort absolvierte er ab 1950 eine zweijährige Holzbildhauerlehre bei seinem Großonkel, dem Bildhauer Nikolaus Gille in Kirstingshof/Rhön. Ein Jahr lang setzte Henkel seine Ausbildung an der Fachgrundschule für Holzbildhauer in Empfertshausen/Rhön fort, die er 1953 mit der Facharbeiterprüfung als Holzbildhauer abschloss. Er studierte von 1953 bis 1956 an der Fachschule für angewandte Kunst Leipzig in der Abteilung Plastik und von 1956 bis 1958 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Theo Balden und Waldemar Grzimek, Abteilung Plastik. Wegen finanzieller Schwierigkeiten brach Henkel das Studium ab. 1958 bis 1959 war er Mitarbeiter im Atelier von Waldemar Grzimek. Er arbeitete unter anderem mit an der Realisierung der Denkmal-Gruppe für das ehemalige KZ Sachsenhausen. In dieser Zeit lernte Henkel bei einem Atelierbesuch in Grzimeks Atelier die Bildhauer Richard Scheibe und Gerhard Marcks kennen. Mit Marcks ergab sich schnell ein Kontakt und ein langjähriger Briefwechsel. Marcks machte später auch Atelierbesuche bei Henkel in Berlin. Von Marcks erhielt Henkel fortgesetzte Ermutigung, Unterstützung und Beratung. Der Briefwechsel wurde teilweise publiziert. Es entstanden bildhauerische Werke, mit denen er sich an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin als Meisterschüler bewarb. 1966 begann das Meisterschülerstudium bei Fritz Cremer, das er 1969 abschloss. 1969 folgte eine einjährige Assistenz an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Abteilung Plastik. Ab 1970 war Henkel freischaffend als Bildhauer und Grafiker in Berlin tätig. Von 1975 bis 1994 verwirklichte er in einem großen Atelier in Berlin-Niederschönhausen verschiedene Projekte. Von 1978 bis 1980 hatte Henkel einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Abteilung Plastik. 1980 errichtete er in Biesenthal/Mark Brandenburg ein kleines Atelier. Seitdem arbeitet er dort im Sommer vor allem am Stein. 2004 zog er von Berlin nach Bernau bei Berlin um, wo er seither lebt. Henkel ist gleichzeitig als Bildhauer, Zeichner und Grafiker tätig. Er erhielt folgende Auszeichnungen: 1971 Will-Lammert-Preis der Akademie der Künste Berlin, 1976 Kunstpreis der DDR, 1992 Stipendiat der Stiftung Kulturfonds, Berlin und 2007 Brandenburgischer Kunstpreis.
Er selbst schrieb 1995: »Bildhauer sein bedeutet: Widerstand leisten gegen das Material, das Flüchtige, die Tradition, die Dummheit. Der Bildhauer ist kein Träumer, kein Mystiker. Er ist Arbeiter, Handwerker, Formschöpfer, Verteidiger von Form und Raum. Mir geht es um die Verdichtung der Form, die - in der Wirklichkeit wurzelnd - ein autonomes Gebilde ist. Im glücklichen Fall entsteht im Werk eine Verschmelzung der Bilderfahrung zur Metapher.«

für größere Darstellung auf die Werkabbildungen klicken

Kleiner Meteorafelsen, 1992, Marmor, H: 29,5 cm

Durchbruch, 2002, Speckstein, 23,5 x 20 x 18 cm

Doppel-Zeichen, 2010, Rogenstein, 35 x 44 x 5 cm

Kleine Wolke, 2001, Alabaster, 17 x 22 x 8 cm

Drei Fromen III, 2004, Alabaster, 20 x 37 x 33 cm

 

2017 erschien im Lukas Verlag das Buch: Friedrich B. Henkel: Skulpturen, Collagen, Zeichnungen und Grafik mit 272 Seiten, 366 Abbildungen und Texten von Anita Beloubek-Hammer, Klaus Hammer, Fritz Jacobi, Anita Kühnel, Jens Semrau und Jörg Sperling.
Im Vorwort heißt es: »Friedrich B. Henkel, … gehört zu den namhaftesten Bildhauern in Ostdeutschland. Im Kontext der überwiegend figurativen Bildhauerkunst in der DDR zeichnete sich sein Schaffen schon bald durch die Orientierung auf erweiterte, von der klassischen Moderne eröffnete Formungsmöglichkeiten aus. Geprägt vom Landschaftserlebnis seiner Jugend in der thüringischen Rhön wurde die Verbindung von Kunst und Natur sein vorrangiges künstlerisches Anliegen, für das er eine unverwechselbare Bildsprache im Spannungsfeld von Gewachsenem und Gebautem, Organik und Konstruktion fand. Bisweilen dominiert das Konstruktive, dann wieder biomorphe Organik - stets wirkt die Suggestion des Vitalen, weil auch beim Konstruktiven der Ausdruck des Technoiden vermieden wird. Auch Reiseerlebnisse vom Kaukasus bis zu den kykladischen Inseln inspirierten in diesem Sinne sein Werk.

Henkels bildhauerische Formen sind - trotz Abwesenheit konkreter Hinweise auf den Menschen - von Sinnlichkeit und emotionaler Wärme erfüllt. Der Band gibt mit etwa 230 Werken einen Querschnitt des nahezu sechs Jahrzehnte umfassenden, konsequent von der figurnahen Gestaltung zum metaphorischen Zeichen führenden Schaffens. Stets wurde es begleitet von Reflexionen zur künstlerischen Arbeit, zu Problemen von Tradition und Erneuerung sowie zu Künstlerkollegen in Gegenwart und Vergangenheit. Die hier ausgewählten Texte sind zugleich Dokumente einer von tiefen Umbrüchen geprägten Zeit. Neben aktuellen Beiträgen von sechs namhaften Kunstwissenschaftlern werden Auszüge aus Kunstkritiken wiedergegeben. Beispiele aus dem Briefwechsel von Friedrich B. Henkel mit Gerhard Marcks erhellen Standpunkte unterschiedlicher Bildhauergenerationen in einem geteilten Land.«

In den Bestand des Kunsthandels Dr. Wilfried Karger, der an sich auf die Figuration in der Plastik fokussiert ist, kamen Henkels Werke im Rahmen der Ausstellung aus Anlass des 100. Geburtstages des Bildhauers Fritz Cremer »Fünf Meisterschüler« vom 6. Oktober bis zum 26. November 2006 in der Galerie am Gendarmenmarkt:

»Ganz unterschiedlich sind die ›Schüler‹ ihrem ›Meister‹ gefolgt, ihm nachstrebend, sich auseinandersetzend, aber auch sich distanzierend, zu unterschiedlichen Zeiten sich auch unterschiedlich absetzend von seinen ästhetischen und politischen Einsichten, basierend auch natürlich auf der Basis der eigenen, ganz verschiedenen Biographien.
In der formalen Konsequenz plastischer Umsetzung der menschlichen Figur sind die Schüler weiter gegangen, im Anknüpfen an Vorbilder aus der Geschichte der Kunst sind sie vielfältiger und in ihrer ästhetischen Position differenzierter, weniger politisiert als Cremer«, hieß in der damaligen Presseinformation.

Dr. Anita Beloubeck-Hammer sagte in der Laudatio zur Ausstellung über Friedrich B. Henkel: »Nach figürlichen Anfängen hat er zunächst mit anthropomorphen Figurationen, Metamorphosen zwischen Landschaft und Mensch, eine Alternative zu der hierzulande traditionell dominierenden - und auch kulturpolitisch gewünschten - Darstellung des Menschen in der Plastik geschaffen. Die Werke, die hier ausgestellt sind - alles Steine, von 1996 bis jetzt entstanden - gehören einer neuen Schaffensphase an, die sich mit einer staunenswerten Produktivität entlädt. Sie half dem Bildhauer über die resignativen Zeiten nach der Wende hinweg, die mit Atelierverlust und öffentlicher Ignoranz so manchen Künstler aus der DDR überkamen. Der seit je auf Reisen fruchtbare Inspirationen empfangende Künstler - früher war das in Rumänien und Georgien zum Beispiel - wurde auch zu dieser Gruppe weitgehend abstrahierter architektonischer Formen durch Reiseerlebnisse inspiriert: Titel wie ›Chora I‹, ›Katikia‹, ›Kykladische Zeile‹ und ›Agadir/Speicherburg der Berber‹ zeugen von Henkels Erkundung der mittelmeerischen Länder. Die dort vorgefundenen unregelmäßigen Architekturen, die wie naturgewachsen erscheinen, sind Zwitterformen zwischen Skulptur und Architektur. Sie zeugen von einer dort noch vorhandenen engen Verbindung des Menschen mit der Natur und kommen damit der ureigenen Lebens- und Kunstauffassung von Henkel nahe. Denn diese wurde geprägt durch das frühe Erlebnis des landschaftlichen Raumes in der Rhön im Verbund mit dem Menschen, durch das naturgegebene Beieinander von Gewachsenem und Gebautem, Natur und Architektur. Bei einigen dieser Formationen begegnen wir dem kubistischen Prinzip der Verschachtelung und Verräumlichung oder auch der Reduktion auf Zeichenhaftes, zum Beispiel einem Formenverlauf im Zickzack, der sich aber doch zum Ganzen schließt, und den Titel ›Ein Lebenslauf‹ trägt.«

Seitdem besetzt Friedrich B. Henkel mit Erfolg den äußersten Rand der figurativen Skulptur im Kunsthandel Dr. Wilfried Karger, vor allem weil seine Abstraktion immer wieder herrührt von der Anschauung und nicht ausschließlich erdachte Form ist.

»Agadir - Speicheburg der Berben« (2002), »Italienische Bergstadt« (1992), »Kykladisches Taubenhaus (2010), »Mädchenkopf« (2006) und  »Exotisches Gewächs« (2002) sind Beispiele für Werke die dem Gegenstand verbunden bleiben.

 

 

 

o.:
Exotisches Gewächs, 2002, farbiger Speckstein, 21 x 21 x 5,5 cm

Mädchenkopf, 2006, rosa Speckstein, 24 x 23 x 17 cm

Kykladisches Taubenhaus, 2010, Kalkstein,15 x 15 x 9 cm

li./re.:
Italienische Bergstadt, 1992, Marmor, 6 x 35 x 10 cm

Agadir - Speicherburg der Berber, 2002, Alabaster, 23 x 33 x 7 cm

»Chora I« (1996) »Lebenslauf II« (2006), »Figuration« (2008), »Japanisches Zeichen« (2008) und »Kleines figürliches Zeichen« (2008) sind Marksteine der Zeichenhaftigkeit seiner Skulpturen.

Noch ganz anders ist seine Anregung bei der Skulptur »E la nove va«.

Chora I, 1996, Marmor, 27,5 x 26 x 23 cm  /  Figuration, 2008, Kalkstein, 59 x 20 x 11 cm  / Japanisches Zeichen, 2008, Sandstein, 28 x 40 x 17 cm

 

 

Kleines figürliches Zeichen, 2009
roter Sandstein, 17,5 x 30,5 x 15 cm

 

E la nove va (Das Schiff der Träume nach Fellini), 2006, hellgrüner Speckstein, 21 x 34 x 12 cm

Sein Atelier in Biesental musste Friedrich B. Henkel aufgeben. Seit dem ist er mit großer Energie damit beschäftigt in neuen Räumen in Bernau bei Berlin sein Archiv auszubauen und einzurichten.
Dies geschieht mit Unterstützung und in enger Zusammenarbeit mit dem »Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg e. V.«, dem auch das Werkverzeichnis des Bildhauers Werner Stötzer zu verdanken ist.

Doch nun erst einmal herzlichen Glückwunsch und beste Gesundheit sowie Schaffenskraft für den Bildhauer Friedrich B. Henkel.
 

o.: Ein Lebenslauf, 2006, hellroter Sandstein, 30 x 39 x 15,5 cm  /  Gewächs, 2003, Speckstein, 15 x 29 x 3,5 cm /
o. T. (durchbrochene Skulptur), 2002, Alabaster, 21 x 37 x 7 cm
u: Kalika I, 1996, Marmor, 31,4 x 31 x 17 cm / Kykladische Zeile, 2006, Marmor, 23 x 79 x 10 cm · Werkfotos: Hermann Büchner

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihnen wünsche ich einen glücklichen und gesunden Sommer bei Sonnenschein und Niederschlägen in Maßen.


Ihr Dr. Wilfried Karger

 

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